Die Weißdorne, botanisch Crataegus genannt, tritt ein wohlverdienten Siegeszug als Heilpflanze an. Doch nicht nur wegen der zwischenzeitlich nachgewiesenen gesundheitlichen Wirkung ist dieses Gewächs interessant. Der Weißdorn lässt sich auf vielfältige Weise nutzen und hat erstaunliche, teilweise recht unbekannte Eigenschaften, die den Menschen breite Anwendungsmöglichkeiten bieten.

Botanische Besonderheiten und Vorkommen

Diese außerordentlich oft verkannte und sehr dekorative Pflanze, die als kleine Bäume oder Sträucher wächst, gehört zu den Kernobstgewächsen. Weit verbreitet in Nordamerika, bevorzugt der Crataegus eher die gemäßigte Klimazone. Auch in unseren europäischen Regionen kommt die Pflanze vor. Wenn sie nicht für Parks oder Gärten kultiviert wird, ist sie in Wäldern und Gebüschen heimisch. Es handelt sich dabei um dornige, sommergrüne Büsche mit kleinen Früchten, die bis zu zwei Zentimeter groß werden. Der große Botaniker Linne ging zwar von der Existenz nur einer Sorte dieser Pflanze aus, heute ist jedoch bekannt, dass je nach Art der Zählung zwischen drei und sechs Arten Crataegus im Mitteleuropa heimisch sind. Diese wurden durch Kreuzungen vermehrt. Die Pflanze liebt zwar Sonnenschein, kann aber auch gut im Halbschatten gehalten werden. Als Zierstrauch sehr beliebt, kann der Crataegus mehrere Meter hoch und bis zu fünfhundert Jahre alt werden. Der Volksmund hat für dieses Gewächs eine Reihe von Namen, darunter Mehlbeere, Zaundorn, Hagewiepkes , Hagäpfi oder Heckendorn.

Die Pflanze mit der großen Nützlichkeit

Es gibt wenige Pflanzen, die derartig vielfältig genutzt werden können. Die Früchte, die bei dieser Pflanze üppig vorhanden sind und bei den meisten Arten eine recht mehlige Konsistenz aufweisen, haben einen süß-sauren Geschmack. Da sie gut gelieren, können sie, auch gemeinsam mit anderen Früchten zu Kompott oder Gellee verarbeitet werden. Ebenfalls können die Früchte zu einem vitaminreichen Sirup oder zu Saft verarbeitet werden, je nach Geschmack in Verbindung mit weiteren Früchten wie zum Beispiel Holunder. Eine besondere Bedeutung erlangte diese Pflanze in Zeiten der Not, so während der letzten Weltkriege, da aus den Kernen ein Kaffeeersatz und aus dem getrockneten Fruchtfleisch einen Zusatz zum handelsüblichen Mehl hergestellt werden können.
Selbst das Holz, welches verhältnismäßig hart ist, eignet sich zum Schnitzen oder Drechseln sowie zur Herstellung von Werkzeugstielen.
Gern wird der Crataegus wegen der gefälligen Wuchsart und der Anspruchslosigkeit als Zierstrauch in Parks angepflanzt.

Auch in der Mythologie hat die Pflanze ihren Platz

In unterschiedlichen Epochen, wurden dem Crataegus besondere mystische und rituelle Bedeutungen zugewiesen. Da dieses Gewächs oft als Heckenpflanze verwandt wurde , sollte sie auch zum Vertreiben böser Geister genutzt werden. Als Heimstätte der Elfen, war es in früheren Zeiten üblich, Stoffreste und abgeschnittene Haarteile in die Pflanze zu flechten, was die Elfen veranlassen sollte den Spendern gewogen zu bleiben. In der Kunst wird oft über diese Pflanze geschrieben, gesungen und berichtet, so zum Beispiel durch Brecht, Wagner und Gottfried August Bürger.

Der Weißdorn in der Medizin, ein wahrer Segen für die Menschheit

Auch wenn die Pflanze schon im Altertum und in der traditionellen chinesischen Medizin eine gewisse Bedeutung hatte, ist die erstaunliche Wirkung des Crataegus erst in der Neuzeit entsprechend erforscht, anerkannt und im größeren Stil angewandt worden. So verwundert es nicht, dass diese Pflanze 1990 zur Pflanze des Jahres ernannt wurde. Ohne Zweifel ist dieses Gewächs die erste Wahl um sanft und völlig frei von Nebenwirkungen das Altersherz auf behutsame aber wirksame Art zu stärken. Weiterhin wirkungsvoll kann der Crataegus als Roseholzgewächs zur Behandlung von Angina Pectoris, Bluthochdruck, Kreislaufstörungen und Herzinsuffizienz. Aber auch bei Schlaflosigkeit und Nervosität hilft diese Pflanze auf hervorragender Art und Weise. Dabei werden die Blätter und Blüten als Tee getrunken.
Zwischenzeitlich werden die Wirkstoffe des Crataegus auch wirkungsvoll in Kapseln verarbeitet, was die Einnahme wesentlich erleichtert und die Wirkung durch eine genaue Dosierung entscheidend beeinflussen kann. Die therapeutische Wirkung wurde mehrfach wissenschaftlich belegt.