Schon im Mittelalter war die heilende Wirkung des Johanniskraut bekannt. Paracelsus empfahl es zur Linderung von Depressionen. Für lange Zeit geriet dieses Wissen aber in Vergessenheit. Erst seit den siebziger Jahren wurde die Heilpflanze wieder aktuell. Im Bereich psychischer Leiden, zur Unterstützung der Wundheilung, auch bei Darm- und Verdauungsproblemen und sogar in der Frauenheilkunde fand das Heilkraut seine Anwendung. Zudem konnten wissenschaftliche Forschungen seine therapeutische Wirkung bestätigen.

Der Name hat seinen Ursprung in der Beobachtung, dass die Pflanze ihre gelben Blüten zur Zeit der Sommersonnenwende öffnet. Deshalb erhielt sie vom Johanni-Tag (24. Juni) ihren Namen. Der lateinische Name lautet Hypericum perforatum. Sie gehört zur Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae). Andere gebräuchliche Namen sind Alfblut, Blutkraut, Frauenkraut, Gartheil, Hartenaue, Hartheu, Hergottsblut, Jageteufel, Jesuswundenkraut, Johannisblut, Konradskraut, Mannskraft, Teufelsflucht, Unserer Frauen Bettstroh, Wundkraut.

Anwendung bei Depressionen

Ein ganze Reihe von psychischen Beschwerden kann mit der Heilpflanze behandelt werden. Neben den schon genannten Depressionen werden Angstzustände, Schlaflosigkeit und allgemeine Nervosität und innere Unruhe genannt. Bei Migräne wird die Pflanze ebenfalls empfohlen.

Bei leichten und auch bei mittelschweren Depressionen ist Johanniskrautextrakt mittlerweile die erste Medikation, um die Symptome zu lindern. Es ist hervorzuheben, dass die bei synthetischen Medikamenten zu beobachtenden Nebenwirkungen bei dieser natürlichen Heilmethode fast gänzlich fehlen und dies das Medikament deshalb zu einem problemlosen Lösungsansatz für einen ersten Therapieversuch prädestiniert. Das Medikament ist deutlich verträglicher als synthetische Medikamente und die Therapie wird seltener abgebrochen.

Andere Anwendungsgebiete

Im Bereich der Atemwege findet die Pflanze Anwendung bei Bronchitis und Entzündungen des Hals- und Rachenraums und auch bei Fieber. Der Verdauungstrakt wird behandelt bei den Symptomen Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden und Durchfall. Auch bei Gicht wird mit der Heilpflanze therapiert. In der Frauenheilkunde findet sie Anwendung bei Menstruationsbeschwerden, Beschwerden in den Wechseljahren und Unregelmäßigkeiten des Zyklus. Rückenschmerzen, Zerrungen und Verstauchungen und andere Beschwerden des Bewegungsapparats werden behandelt, ebenso Krampfadern. Zudem werden in der Dermatologie alle Arten von Wunden, Verbrennungen, Ekzeme, Probleme mit trockener Haut oder Narbenschmerzen genannt.

Dosierung

Im freien Handel werden verschiedene Dosierungen von Johanniskrautextrakt angeboten, oft in Kombination mit Baldrian. Höhere Dosierungen erhält man nur in der Apotheke. Für die Behandlung von Depressionen wird eine Tagesdosis von 900 mg bis 1800 mg Johanniskrautextrakt angegeben.

Inhaltsstoffe

In der Pflanze sind durchschnittlich circa 0,1% Gesamt-Hypericine enthalten, die in den Exkretblättern von Knospen und Blüten vorhanden sind. Die Wirkung wird außerdem von einem Anteil von 3% an Flavonoiden und Bioflavonen hervorgerufen. Hyperforin, das antibiotisch wirkt, und Adhyperforin finden sich in den Früchten und Blüten.
Weitere Inhaltsstoffe sind Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Harz, Myristinsäure, Hyperinrot, Phytosterin, Taraxasterol, Stearin, Beta-Sitosterol, Violaxanthin, Phytosterole.

Wirkungsweise

Hyperforin ist der Hauptwirkstoff des Johanniskrauts. Durch die Wiederaufnahmehemmung von Serotonin und auch Noradrenalin an den Synapsen wird deren Konzentration erhöht. Die Konzentration von Dopamin, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und L-Glutamat steigt ebenfalls an, und zwar auf eine Intensität, die kein Antidepressivum erreichen kann. Die Anzahl der Beta-Rezeptoren verringert sich, außerdem bewirkt die Heilpflanze eine Downregulation der 5-HT2-Rezeptoren. Bei Johanniskraut-Präparaten beobachtet man ähnlich wie bei synthetischen Antidepressiva einen verzögerten Eintritt der Wirkung. Erst nach mehreren Wochen der Anwendung tritt der erwünschte antidepressive Effekt ein.

Nebenwirkungen

Johanniskrautpräparate werden immer wieder als gut verträglich beschrieben. Nebenwirkungen sind kaum bekannt und selten. Kopfschmerzen und Müdigkeit können auftreten. Bei hohen Dosierungen ist darauf hinzuweisen, dass phototoxische Reaktionen der Haut auftreten können. Man empfiehlt deshalb, nicht in ein Sonnenstudio zu gehen oder sich lange der Sonne auszusetzen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen.